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18 Wᅵhrend Jesus ihnen das erklᅵrte, kam einer der Gemeindevorsteher zu ihm, warf sich vor ihm nieder und sagte: ᅵMeine Tochter ist gerade gestorben. Aber komm und leg ihr deine Hand auf, dann wird sie wieder leben!ᅵ 19 Jesus stand auf und folgte ihm. Auch seine Jᅵnger gingen mit.
20 Unterwegs trat eine Frau von hinten an Jesus heran und berᅵhrte eine Quaste seines Gewandes. Sie litt seit zwᅵlf Jahren an Blutungen 21 und sagte sich: ᅵWenn ich nur sein Gewand berᅵhre, werde ich gesund.ᅵ 22 Jesus drehte sich um, sah die Frau und sagte: ᅵNur Mut, meine Tochter! Dein Vertrauen hat dir geholfen.ᅵ Im selben Augenblick war die Frau geheilt.
23 Jesus kam in das Trauerhaus. Als er die Flᅵtenspieler fᅵr das Begrᅵbnis und all die aufgeregten Menschen sah, 24 sagte er: ᅵHinaus mit euch! Das Mᅵdchen ist nicht tot, es schlᅵft nur.ᅵ Da lachten sie ihn aus.
25 Er lieᅵ die Leute hinauswerfen, ging in den Raum, in dem das Mᅵdchen lag, und nahm es bei der Hand; da stand es auf. 26 Die Nachricht davon verbreitete sich in der ganzen Gegend.

Jesus bringt neues Leben, und das reicht bis in den kᅵrperlichen Bereich hinein. Aber er stᅵᅵt auf Menschen, die sich in ihrem alten Leben eigentlich ganz wohl fᅵhlen. Ja, vielleicht ist es nicht richtig, zu sagen: sie fᅵhlen sich wohl. Aber raus wollen sie jedenfalls nicht. Aber einige gibt es, die sehen die Chance, dass alles anders werden kann und, und sie greifen zu mit aller Kraft. Zu welcher Gruppe gehᅵren wir? Zu welcher Gruppe gehᅵren Sie?

Da sind die Leute, die das Haus des Synagogenvorstehers fᅵllen: vielleicht trauern sie nicht alle so von Herzen wie die Eltern, aber sie tun doch ihre Pflicht und kommen und stehen den Hinterbliebenen bei und sorgen dafᅵr, dass die nicht allein sind an diesem Tag des Abschieds von ihrer Tochter. Dafᅵr sind solche Trauerbrᅵuche da: sie machen aus aus der abgrᅵndigen Begegnung mit dem Tod eine lᅵsbare Aufgabe. Ankᅵmpfen gegen den Allesfresser Tod kᅵnnen wir nicht, aber kommen und besuchen und eine Zeit dabei sein, das kᅵnnen wir schon.

Aber die Schattenseite davon ist, dass all solche Brᅵuche uns auch davon abhalten, nach einer ganz anderen Lᅵsung des Problems Ausschau zu halten. Klar, das ist ja auch hart, wenn man jedes Mal wieder neu nach Hilfe Ausschau halten wᅵrde und jedes Mal wieder neu enttᅵuscht wird, jedes Mal um so mehr diesen Schmerz spᅵrt, wie endgᅵltig der Tod ist und wie hoffnungslos die Begegnung mit ihm. Aber als nun tatsᅵchlich einer kommt, der den Tod besiegen kann, da haben sie nur Spottgelᅵchter fᅵr ihn ᅵbrig. Sie schauen nicht mehr nach etwas grundsᅵtzlich Anderem, sondern sie haben sich abgefunden.

Wie viele Menschen gibt es, die sich abgefunden haben mit ihrer Situation: abgefunden mit einem unbefriedigenden Leben; abgefunden mit den tᅵglichen Einerlei; abgefunden mit einer Beziehung, in der kaum noch etwas lebt; abgefunden mit dem Genᅵrgel und Geschimpfe, das das Aroma ihres Lebens bildet; abgefunden damit, dass im Leben jetzt nichts Groᅵes mehr passieren wird, sondern dass man sich einfach noch ein paar ertrᅵgliche Jahre wᅵnscht, bevor alles vorbei ist.

Und wenn man sich erst mal damit abgefunden hat, wenn dann wird eine Alternative auftaucht, dann wird die zur Bedrohung, dann wehrt man sie ab, dann ist man nicht mehr bereit dafᅵr, weil man ja schon lᅵngst die Weiche in die andere Richtung gestellt hat. Und da gibt es dann allerhᅵchstens noch eine Sache, die uns da rausholen kann: ein frischer, neuer Schmerz, an den wir uns noch nicht gewᅵhnt haben, der uns rausholt aus der Gewᅵhnung an all das Elend.

Deswegen sind es auch die Eltern des toten Mᅵdchens, bei denen Jesus eine Chance hat. Die trauern wirklich, die wᅵrden alles tun, damit ihre Tochter wieder lebendig wird. Die haben sich nicht mit ihrem Verlust abgefunden. Die Trauergᅵste sagen nur: hau ab, du stᅵrst die Trauerfeier, die Lage ist eindeutig, und da wirst du auch nichts dran ᅵndern.

Aber die Eltern nehmen wirklich etwas auf sich, einfach weil sie es nicht hinnehmen wollen, dass ihre Tochter einfach die Welt verlᅵsst und nicht mehr da ist. Und man muss bedenken, dass damals an sich Tᅵchter viel weniger wert waren als Sᅵhne, so wie das auch heute in manchen Kulturen ist. Sᅵhne fᅵhrten die Familie weiter und waren Altersvorsorge; Tᅵchter verursachten nur Kosten. Und trotzdem holt der Vater Hilfe bei Jesus, obwohl er Synagogenvorsteher ist und Jesus bei seinen Kollegen schon einen zweifelhaften Ruf hatte. Das wird ihm noch ᅵrger einbringen, dass er ausgerechnet bei Jesus Hilfe sucht. Dass er es trotzdem tut, das zeigt: er muss seine Tochter einfach sehr geliebt haben. ᅵber alle Sitten und Konventionen hinaus liegt ihm sein Kind so sehr am Herzen, dass er alles tun wᅵrde, um sie wieder lebendig zu machen.

Sehen Sie, dass dieser Synagogenvorsteher ein ungewᅵhnlicher Mensch gewesen sein muss? Jesus hat spᅵter mal davon gesprochen, dass seine Jᅵnger, wenn sie neu in eine Stadt kommen, einen Menschen des Friedens suchen und dort wohnen sollen. Es gibt ᅵberall schon solche Menschen des Friedens, die eigentlich nur darauf warten, dass sie auf jemanden wie Jesus und seine Jᅵnger stoᅵen, und sie packen diese Gelegenheit sofort beim Schopf. So einer muss dieser Mann gewesen sein. Voller Liebe zum Leben. Unabhᅵngig in seinem Denken ᅵ er traut seinem Herzen mehr als dem, was man denkt und was man tut. Bei seiner gesellschaftlichen Position wᅵrde man eher erwarten, ihn bei den Gegnern Jesu zu finden. Aber er ist ein Kind des Friedens. Es ist ᅵberraschend, wo man ᅵberall solche Menschen findet. Und es gibt andere, die sind so weit weg vom Leben und der Hoffnung, und auch so weit weg von ihrem eigenen Herzen, die lachen nur hᅵhnisch, wenn sie dieser Alternative begegnen.

Von der Frau, die Jesus von hinten berᅵhrt, wissen wir das nicht so genau. 12 Jahre lang hatte sie schon Blutungen, und obwohl wir heute in einer Kultur leben, wo es zum Glᅵck nicht mehr so viele Tabus gibt, nicht mehr so viele Dinge, wo es heiᅵt: darᅵber spricht man nicht ᅵ bis heute ist das kein Thema, mit dem man gerne an die ᅵffentlichkeit gehen wᅵrde. Aber Jesus war eine ᅵffentliche Person, man konnte als normaler Mensch eigentlich nie unter vier Augen mit ihm sprechen. So versucht die Frau es auf eine andere Weise: sie schleicht sich von hinten an ihn heran und berᅵhrt ihn und hofft, dass sie vielleicht so etwas abbekommt von der Heilung, die er um sich herum verbreitet.

Aber Jesus lᅵsst sie nicht einfach so gehen, und zwar nicht, um sie zu beschᅵmen, sondern weil er mᅵchte, dass der Glaube bestᅵtigt wird, der da aufleuchtet. Wenn jemand einen Haufen Hindernisse ᅵberwindet, um zu Jesus zu kommen, darin sieht Jesus Glauben: die Frau findet ihren Weg, um trotz der Schambarriere von Jesus geheilt zu werden; der Vater riskiert ᅵrger und Gelᅵchter, um vielleicht doch seine Tochter zu behalten. Das sind Beispiele fᅵr Glauben, so wie Zachᅵus, der auf den Baum klettert, um Jesus auf jeden Fall zu sehen oder die vier Mᅵnner, die ihren gelᅵhmten Freund durchs Dach zu Jesus runterlassen, damit der ihn heilt.

Immer wieder Menschen, die etwas riskieren, die es sich viel kosten lassen, an Jesus heranzukommen. Heute bei uns sind das oft Menschen, die in ihrem engen Terminkalender doch noch etwas freischaufeln, damit sie Zeit haben fᅵr die Schwestern und Brᅵder, unter denen wir heute Jesus finden. Und natᅵrlich gibt es heute auch immer wieder die Situation, dass Menschen auf Unverstᅵndnis stoᅵen, wenn sie an eine Alternative glauben, wenn sie sich nicht abfinden mit den kleinen Tricks und den Brᅵuchen, mit denen wir uns das Leben halbwegs ertrᅵglich machen. Wer sich ganz neues Leben erhofft statt kleiner Erleichterungen, der wird von vielen gar nicht verstanden, weil das so weit weg ist von den Denkmustern, die Menschen sonst benutzen. Aber

Anscheinend ist es Jesus ganz recht, wenn Menschen Hindernisse ᅵberwinden mᅵssen, um zu ihm zu kommen. Nicht, weil er das braucht als Streicheleinheiten fᅵr sein Ego. Sondern weil er sich nicht einfach als Wunderdoktor und Wᅵnscheerfᅵller missbrauchen lassen mᅵchte. Vorhin im Evangelium, vielleicht haben Sie es noch in Erinnerung, wie Jesus sagt: ja, ja, wenn ihr nicht Zeichen und Wunder bekommt, dann glaubt ihr nicht!

So denken sich ja bis heute Menschen das mit Gott, gerade auch in der christlichen Tradition: es gibt ein Problem, ich bete, und wenn Gott nicht hilft, dann bin ich enttᅵuscht von ihm, und wenn er hilft, dann sage ich danke und mache weiter wie bisher. Das ist so ᅵhnlich, wenn ich zum Chirurgen gehe: ich gebe mich im Krankenhaus ab, schlafe fᅵr drei Stunden, und wenn ich wieder aufwache, ist der bᅵse Blinddarm raus. Ich brauche den Operateur dafᅵr noch nicht mal zu kennen. Und viele glauben, so kᅵnnte das mit Gott auch gehen. Deshalb gibt es dann diese Tendenz, dass in Notzeiten die Kirchen voller werden, und danach wieder leerer.

Aber in Wirklichkeit will Gott ja bei solchen Anlᅵssen mit seinem alternativen Leben zu uns kommen, er will, dass wir umkehren und die Welt sehen, wie er sie sieht. Und dazu will er mit uns eine Beziehung beginnen, und man kann das eigentlich in all diesen Geschichten sehen, wie Jesus die Wunderdoktor-Rolle verweigert und irgendwie eine Beziehung zu dem Kranken aufzubauen versucht, damit der nicht nur gesund wird, sondern damit sich auch in seinem Leben und in seinem Herzen etwas tut.

Und wenn dann Menschen kommen, die viel investieren, um Jesus zu begegnen, die viele Hindernisse ᅵberwinden mᅵssen, dann freut sich Jesus und bestᅵtigt sie, weil er merkt: die sind entschlossen. Die schrecken auch nicht davor zurᅵck, dass ihr Weltbild durcheinander kommt. Die werden sich noch nicht einmal von den anderen irritieren lassen. Die brechen das Gehᅵuse auf, in dem sie bis dahin gefangen waren. Und Jesus sieht in diesem ersten Schritt den Glauben, auch wenn da noch viele andere Schritte folgen mᅵssen, aber er nimmt diesen ersten Schritt schon fᅵr das Ganze.

Das ist der Glaube, der rettet, ob er groᅵ oder klein ist. Verstehen, dass ein Leben gut wird im Einflussbereich Jesu. Und alles tun, um unter diesen Einfluss zu kommen. Wissen, dass das der entscheidende Punkt ist: die Welt mit anderen Augen sehen und anders leben, auch wenn wir dabei einen Umbruch im Kopf riskieren oder einen Umbruch im Terminkalender, aber das hᅵngt eigentlich zusammen.

Wollen wir die Trostpflaster, die es ᅵberall gibt, mit denen Menschen sich eingerichtet haben? Oder wollen wir neues Leben? Es gibt viele Gelegenheiten, bei denen wir auf diese Frage stoᅵen. Manchmal sind das die Momente, wo wir in groᅵen Schwierigkeiten sind, wo es weh tut und wo wir die Hilfe nicht finden, die wir suchen. Manchmal sind es die Momente, wo uns ein Wort ganz deutlich trifft und wir wissen, dass wir uns entscheiden mᅵssen. Manchmal sind es auch die Momente, wo wir eine chronische Unzufriedenheit spᅵren und mehr dagegen tun wollen als jammern oder gereizt sein. Manchmal sind wir einfach angezogen von dem neuen Leben, dem wir bei anderen begegnen. Gott ist sehr erfindungsreich. Er tut viel, damit wir uns nicht abfinden mit dem Leben, wie es ist, und stattdessen neue Wege denken und gehen.

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